Wenn digital auf sozial trifft

Die Digitalisierung verändert beinahe unser gesamtes soziales, ökonomisches und politisches Zusammeneben. Wie kann Digitalisierung und Technologie für das Wohl der Menschheit eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen sozialer Innovation und sozialem Unternehmertum standen im Zentrum des diesjährigen Social Innovation Summit in Stuttgart.

Die Digitalisierung und vor allem die Nutzung des Smartphones hat unser Alltag so sehr im Griff, dass viele Menschen nicht realisieren, wie sehr sie davon abhängig sind. Auch wenn die technologische Entwicklung uns praktische Tools für Projektmanagement und Teamarbeit bereithält, rät Greta Rossi dazu, seine eigenen digitalen Gewohnheiten genau zu beobachten. Die Co-Gründerin von Recipes for Wellbeing gab in ihrer Opening Keynote verschiedene Tipps, wie man Technologie gesund einsetzt und den digitalen «Junkfood» auf der Seite lassen kann.

Nari Kahles, die Leiterin soziale Nachhaltigkeit bei Volkswagen, definiert in ihrem Workshop soziale Innovation als sozialen Wandel zum Wohle für die Menschheit. Das ist keine neue Idee: Was heute die FridaysforFuture-Bewegung, Open Data und die Sharing Economy ist, gab es in Form der ersten Sozialversicherungen und der Genossenschaftsbewegung bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Insbesondere seit den frühen 2000er Jahre stellt Kahles auf der ganzen Welt einen Paradigmenwechsel zu mehr Aufmerksamkeit für soziale Themen dar. Dass sich grosse US-Unternehmen vom Shareholder-Value Ansatz abwenden wollen, seien Anzeichen dafür.

Auch wenn wir unsere Smartphones jeden Tag benützen, fragen sich die wenigsten Menschen, wie denn die Dinger überhaupt entstehen. Bas van Abel hat sich diese Frage gestellt und ist damit einer der bekanntesten Social Entrepreneurs geworden. Der Gründer von Fairphone konnte vor einigen Wochen bereits die dritte Edition seines Smartphones präsentieren, das dank seiner einfachen Reparierbarkeit und fairen Ressourcen zu den nachhaltigsten Elektrogeräten zählen. In seiner Präsentation sprach der Holländer über die Höhen und Tiefen seines Werdegangs und sein ambitioniertes Ziel, mit seinem sozialen Unternehmen die gesamte Mobiltelefonindustrie zu verändern.  

Menschen, die den sozialen Wandel antreiben, leiden gemäss Studien überdurchschnittlich an Burnouts und Depressionen. Dieses heikle Thema diskutierte Katherine Gilligan, Professorin für Social Entrepreneurship zusammen mit den Sozialunternehmer*innen Lise Pape von Walk with Path und Bas van Abel. In einer inspirierenden Session sprachen die beiden offen und ehrlich über Ängste, der Last von Verantwortung und die psychische Verfassung während ihren beruflichen Karrieren. Als praktische Tipps gab Katherine Gilligan dem Publikum folgende Metapher mit: Wie im Flugzeug zuerst seine eigene Sauerstoffmaske aufgesetzt werden sollte, muss man als Vorantreiber*in von sozialer Innovation auch immer erst an sich selbst denken, bevor man anderen hilft.

Der Social Innovation Summit 2019 wurde von Social Entrepreneurship BW (SocEnt BW) organisiert, einem Netzwerk von Unternehmen mit einer verantwortungsvollen Mission. SocEnt BW möchte den Standort Baden-Württemberg zum Vorbild für eine neue und verantwortungsvolle Art des Wirtschaftens und Zusammenlebens machen.