Die Solawi-Genossenschaft Minga vo Meile im Porträt

Von Lukas und Jeannine van Puijenbroeks Wohnung im dritten Stock des Aebletenhofs blickt man herrlich über Weinreben auf den Zürichsee. Hier, ausserhalb von Meilen haben sie vor drei Jahren die Genossenschaft Gemeinschaftsgarten Minga vo Meile gegründet.*

Nach einer Landwirtschaftsausbildung war für Lukas klar, dass er die solidarische Landwirtschaft voranbringen möchte. Zusammen mit seiner Partnerin Jeannine, sie ist ausgebildete Primarlehrerin, hat er hier mit Minga vo Meile seine Berufung gefunden.

Dank dem Land von den Vorfahren war ein erster Meilenstein geschafft. Dann haben die beiden eine Genossenschaft gegründet. «Für eine solidarische Landwirtschaft braucht es Menschen, die mitwirken. Wir wollen möglichst wenige Maschinen einsetzen, dafür umso mehr Hände, die mithelfen», meint Lukas. So habe man eine Genossenschaft gegründet, und vom Genossenschaftskapital die notwendigsten Investitionen getätigt. Momentan sind es über 50 Genossenschafter*innen, von diesen haben viele einen Selbsternte-Pass.

Das funktioniert so: Wenn man einen Selbsternte-Pass für ein Jahr löst, darf man dafür wöchentlich Obst, Gemüse, Kräuter, Pilze und Blumen selber ernten. Zudem verpflichtet man sich, vier Mal pro Jahr für vier Stunden auf dem Feld mitzuhelfen.

Mit dem Selbsternte-Pass System wurden gleich zwei Herausforderungen gelöst: Zum einen hatten Lukas und Jeannine auf dem Hof praktisch keine Lagermöglichkeiten für geerntetes Gemüse. Zudem wird bei der Selbst-Ernte auch die Gemeinschaft unter den Genossenschaftern gepflegt, es entsteht die Möglichkeit zum Austausch.

Der Gemeinschaftsgarten Minga vo Meile ist ein Pionierbetrieb. So wurde zusammen mit Expert*innen aus Deutschland auf einem Teil der Fläche ein Agrarforstwirtschaftsystem eingerichtet. Dabei werden Elemente des Ackerbaus und der Forstwirtschaft zusammengeführt. So werden Obstbäume in nächster Nähe zu mehrjährigen Gemüsesorten gepflanzt, die voneinander profitieren. «Durch unsere Pioniertätigkeit wurde auch schon die ETH und andere Forschungseinrichtungen auf uns aufmerksam. Es besuchen uns auch Interessierte aus ganz Europa», freut sich Jeannine. Diese Projekte tragen dazu bei, dass im Gemeinschaftsgarten Minga vo Meile Biodiversität konkret gefördert wird.

Auch sonst ist die Genossenschaft nicht «nur» am Pflanzen und Ernten. Schulen und Kindergarten besuchen den Hof im Rahmen der Umweltbildung, öffentliche Anlässe zu Themen wie Saatgut werden mit anderen Organisationen durchgeführt. Zudem besteht ein enger Austausch mit anderen Solawi-Genossenschaften in der Schweiz.

Herausforderungen für die Genossenschaft sehen die beiden in gewissen bestehenden Gesetzen. So wollten die beiden das von ihnen bewirtschaftete Land auf die Genossenschaft umschreiben. Dies ist jedoch rechtlich fast unmöglich. Zudem ist es auch schwierig für Minga vo Meile, um überhaupt als Landwirtschaftsbetrieb anerkennt zu werden. Denn laut Gesetz muss ein*e Landwirt*in das volle unternehmerische Risiko des Betriebes selbst tragen können, was bei einer Genossenschaft nicht der Fall ist.

Jeannine und Lukas geben aber vor solchen Herausforderungen nicht auf. In den nächsten Jahren wollen die beiden zudem einen Teil der bestehenden Reben bewirtschaften und damit Wein herstellen.

Infos zur solidarischen Landwirtschaft: https://www.solawi.ch/

Infos zum Gemeinschaftsgarten Minga vo Meile: https://minga.ch/

*Die Genossenschaft Minga vo Meile hat das Gewinnspiel zur Genossenschaftsstudie des VMI der Universität Fribourg gewonnen. Dabei entstand dieser Blogbeitrag.