Wirkung statt Profit – wie finanziert man ein Social Business?

Zusammen mit Expertinnen und Experten und einem interessierten Publikum diskutierten wir am 20. Mai in der Alternativen Bank Schweiz über Herausforderungen, Lösungsmöglichkeiten und die Rolle von Stiftungen für die Finanzierung von sozial-ethischen Unternehmen.  

Als grösste Herausforderungen wurden dabei die erhöhten Erwartungen an Stiftungen und an den eigenen Businessplan sowie mangelnde eigene Kenntnisse über Finanzierungthemen identifiziert. Gemäss Georg von Schnurbein, Professor für Stiftungsmanagement und Direktor des Center for Philanthropy Studies an der Universität Basel betragen die durchschnittlichen Förderbeiträge von Stiftungen in der Schweiz 5'000 bis 10'000 Franken. Die meisten Unternehmer und Start-ups erwarteten höhere Beiträge.

Laut Edy Walker, Leiter Spezialfinanzierungen der ABS, materialisierten sich Business Pläne von Social Entrepreneurs zudem oft nicht. Es brauche daher am Anfang tiefe Kosten, viel Durchhaltevermögen, Geduld und Zeit.

Heather Kirk, Gründerin von Social Fabric und damit selbst in der Rolle einer Unternehmerin, stimmte ihren Kollegen zu. Aus ihrer Erfahrung hätten soziale Unternehmen mit einem wertegetriebenen Hintergrund häufiger weniger Kenntnisse im finanziellen Bereich. Man sollte auch als Social Entrepreneur zeigen können, dass man ein Geschäft aufbauen kann. Dabei müsse man auch Risiken eingehen, meinte sie.

Aus eigener Erfahrung würde sich Heather Kirk einen besseren Austausch zwischen Geldgeber und Geldnehmer wünschen. Solche Gespräche mit Geldgeber wären wichtig, um die Erfahrungen zu teilen und ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Diese Gesprächskultur zwischen den beiden Akteuren gäbe es leider zu wenig.

Edy Walker bestätigte diese Erfahrungen. Häufig sei dies jedoch eine Kapazitätsfrage. In den meisten Fällen hätten Geldgeber die nötigen Personalressourcen nicht, um den Austausch zu pflegen. Georg von Schnurbein ergänzte, dass Stiftungen zum Teil Tausende von Gesuchen mit nur wenigen Stellenprozenten pro Jahr bearbeiten müssten.

Als Stiftungsexperte plädierte auch Georg von Schnurbein für ein besseres Verständnis auf beiden Seiten. Stiftungen hätten häufig auch das Gefühl, dass Start-ups nur Geld wollen. Dabei zeigten Unternehmer häufig kein Verständnis für den Stiftungszweck, der je nach dem sehr eng sei.

Die Expertin und Experten gaben auch viele praktische Tipps für die rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dazu gehören:

  • Webseiten wie fundraiso.ch und stiftungschweiz.ch nutzen, um die passende Stiftung zu finden. Dabei lohnt es sich je nachdem, in ein Abo zu investieren.

  • Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, dass Stiftungen sehr wenig Zeit und personelle Ressourcen haben. Man braucht als Unternehmer also Geduld, um auf die Entscheide der Stiftungsratssitzungen zu warten.

  • Die Anträge an Stiftungen und andere Geldgeber sollten nicht mit Informationen überladen sein.

Die Veranstaltung war die letzte der Reihe «Anders Wirtschaften», organisiert vom Impact Hub Zürich, der ABS und Cooperative Suisse. Wie man denn eine andere Wirtschaft in einem Wort beschreiben könnte, fragte Lizan Kuster, die den Abend moderierte, zum Schluss. Die Antworten der Referierenden und dem Publikum motivierten, das am Abend Gelernte gleich in die Praxis umzusetzen: ethisch, nachhaltig, kollaborativ, wertbewusst, wertebasiert, zielbewusst und zukunftsfähig sollte eine andere Wirtschaft sein.