Unser neues Mitglied Genossenschaft Kalkbreite im Interview

Die Genossenschaft Kalkbreite wurde von engagierten Quartierbewohner*innen und potenziellen Mieter*innen im Juni 2007 gegründet. Die Genossenschaft ist gemeinnützig und nicht gewinnstrebig. Sie bezweckt das Erwerben, Bebauen und Betreiben von Grundstücken im Grossraum Zürich, um darauf preiswerten Wohn- und Gewerberaum zu realisieren. Die Partizipation von Mieter*innen und Genossenschafter*innen hat einen hohen Stellenwert.  

Die Genossenschaft Kalkbreite strebt eine soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit an. So wird auf einen breiten Nutzungsmix, eine gute soziale Durchmischung und eine nachhaltige Entwicklung gemäss den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft geachtet.  

Die Genossenschaft Kalkbreite ist insbesondere in den urbanen Zürcher Stadtkreisen 3, 4 und 5 breit abgestützt und zählt derzeit über 1’900 Mitglieder (Dezember 2018). 2014 wurde die erste Siedlung, der Wohn- und Gewerbebau Kalkbreite im Quartier Zürich Wiedikon in Betrieb genommen. Derzeit im Bau befindet sich die zweite Liegenschaft, das Zollhaus, das hinter dem Zürcher Hauptbahnhof zu liegen kommt und im Jahr 2020 bezugsbereit werden soll. 

CooperativeSuisse heisst die Genossenschaft Kalkbreite als neues Mitglied herzlich willkommen und freut sich über den Austausch im Netzwerk.  

Interview mit Claire Comte und Valérie Clapasson, Co-Geschäftsführerinnen bei der Genossenschaft Kalkbreite 

Welche gesellschaftliche Wirkung will die Genossenschaft Kalkbreite erzielen und wo sehen Sie das Unternehmen diesbezüglich in 5 Jahren?  

Die Genossenschaft Kalkbreite steht für neue Visionen des Zusammenlebens. In urbanen Gebieten, wo Raum knapp ist und die Mietpreise explodieren, darf der Wohnungsmarkt nicht gewinnstrebigen Immobilienfirmen überlassen werden. Wir wollen lebendige Orte schaffen mit einem vielfältigen Raumangebot zu fairen Preisen. Unsere Projekte sollen gut durchmischt sein, den Bedürfnissen der Bewohner*innen entsprechen und ins Quartier passen, weshalb wir dem partizipativen Planungsprozess viel Aufmerksamkeit schenken und, wo nötig, aktiv daran arbeiten, auf dem Wohnungsmarkt benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu integrieren. Aufgrund unserer stetig zunehmenden Anzahl Mitglieder fühlen wir uns in unserem Vorhaben bestätigt und werden versuchen, weitere Projekte zu realisieren.  

Welche Potenziale sehen Sie im wirkungsorientierten / sozialen Unternehmertum?

Das soziale Unternehmertum birgt das Potential, einigen gesellschaftlichen Entwicklungen positiv zu begegnen. Trotzdem sollte man unserer Meinung nach die Lösung gesellschaftlicher Probleme nicht alleine an Unternehmen abschieben, denn dann sind wir nur noch einen Sprung entfernt von der Privatisierung des Sozialen, was wir als sehr problematisch erachten. Darüber hinaus sehen wir uns heute mit gesellschaftlichen Problemen konfrontiert, die sich in kein noch so innovatives Businessmodell ummünzen lassen und deshalb von anderen institutionellen Akteuren adressiert werden müssen. 

Worin bestehen für ein gesellschaftlich und wirkungsorientiertes Unternehmen wie die Genossenschaft Kalkbreite die Herausforderungen?

Eine Herausforderung liegt bestimmt in der Frage des Wachstums. Wie bereits erwähnt, steigt die Anzahl unserer Mitglieder stetig. Das ist eine grosse Freude und eine Bestätigung, weil wir mit unseren Projekten die Bedürfnisse vieler Leute abholen und den Nerv der Zeit treffen. Passendes Bauland oder bestehende Immobilien zu finden, die zum Kauf ausgeschrieben sind, wird aber immer schwieriger. Boden ist leider kein nachwachsendes oder vermehrbares Gut. Wo Boden oder Immobilien an den Meistbietenden verkauft werden, haben Genossenschaften zunehmend Schwierigkeiten, mitzuhalten. Darüber hinaus haben wir unseren Genossenschafter*innen gegenüber auch eine Verpflichtung, der nachzukommen nicht immer einfach ist. So können wir zum Beispiel nicht allen interessierten Genossenschafter*innen eine Wohnung anbieten, weil wir nur wenig freie Wohnungen haben und es selten zu einem Wohnungswechsel kommt. Wir streben ein nachhaltiges Wachstum an, im Wissen darum, dass partizipative Strukturen viel soziales Engagement und eine gute Portion Toleranz aller Beteiligten bedingen.  

Nikki Böhler