Die Habitare Schweiz AG ist neu Mitglied bei CooperativeSuisse

Die Habitare Schweiz AG will Land und Liegenschaften dauerhaft der Spekulation entziehen und zahlbares Wohnen sichern und fördern. Gleichzeitig ist sie eine ethische und nachhaltige Anlagemöglichkeit für Pensionskassen und Private in der Schweiz. Als gemeinnützige Wohnbauträgerin legt die Habitare Schweiz AG auch Wert auf selbstbestimmte Formen des Wohnens und auf gute Nachbarschaft, die Möglichkeit von kombiniertem Wohnen und Arbeiten sowie die Förderung von kulturellen Aktivitäten im Wohnumfeld. 

CooperativeSuisse freut sich sehr über die Mitgliedschaft von Habitare Schweiz AG. Wir heissen das ethisch bewusste und innovative Unternehmen herzlich willkommen und freuen uns auf einen bereichernden Austausch in unserem Netzwerk.  

Interview mit Romana Tomasi, Geschäftsführerin bei Habitare Schweiz AG

Welche gesellschaftliche Wirkung will die Habitare Schweiz AG erzielen und wo sehen Sie das Unternehmen diesbezüglich in 5 Jahren? 

Habitare Schweiz AG: Habitare Schweiz will als gemeinnützige Wohnbauträgerin Liegenschaften kaufen, um sie der Spekulation zu entziehen, da wir der Auffassung sind, dass Boden keine Ware ist und daher nicht den Marktmechanismen unterliegen darf. Ziel der Spekulation ist immer einseitige Gewinnmaximierung und beim Wohnen geht dies auf Kosten der Mietenden. Bezahlbarer Wohnraum gehört zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen. Daher will Habitare Liegenschaften in der gesamten Deutsch-Schweiz ab 10 Wohnungen kaufen und so den Anteil an bezahlbaren Wohnungen vergrössern. 

Viele Wohnbaugenossenschaften und andere Organisationen verfolgen das gleiche Ziel, sind meist regional tätig. Wir sehen uns daher als sinnvolle Ergänzung, wenn keine andere Organisation Interesse hat am Kauf einer bestimmten Liegenschaft. 

In fünf Jahren möchten wir als solide Gesellschaft bei Eigentümer/innen bekannt sein, denen der Verkauf ihrer Liegenschaften an eine ethisch orientierte Organisation wichtiger ist als ein möglichst hoher Preis. Unser Portfolio soll mehr als 200 Wohnungen umfassen und kontinuierlich wachsen. 

Welche Potenziale sehen Sie im wirkungsorientierten / sozialen Unternehmertum? 

Habitare Schweiz AG: Das soziale bzw. wirkungsorientierte Unternehmertum will auf eine neue Art wirtschaften, d.h. der maximale Gewinn soll nicht primäres Ziel sein und damit Schäden in Gesellschaft und Umwelt in Kauf genommen werden. Die Arbeit selber soll wieder Sinn machen und die Leistung (oder das Produkt) in einem Gesamtzusammenhang und unter Berücksichtigung aller daran Beteiligten eine positive Wirkung im Leben entfalten.

Das Potential liegt darin, dass immer mehr Menschen aufmerksam werden, dass es dringend nötig ist, neue Wege zu gehen, die auf allen Ebenen nachhaltig sind und eine enkeltaugliche Welt hinterlassen. Im Wirtschaftlichen ist das Bewusstsein noch am geringsten, dass das bisherige Verhalten oft schädlich ist, vielleicht auch deshalb, weil die Welt sehr komplex ist, die wirtschaftlichen Zusammenhänge kaum mehr durchschaubar sind und neues Verhalten nirgends gelehrt wird. 

Worin bestehen für ein ethisch bewusstes Unternehmen wie die Habitare Schweiz AG Herausforderungen?

Habitare Schweiz AG: Im Bereich Immobilien ist es heute für die meisten Leute selbstverständlich, dass an Meistbietende verkauft wird bzw. dass auch Wohnraum den Markt-gesetzen von Angebot und Nachfrage folgen. Das muss nicht sein, sondern es können auch andere sachliche Kriterien für einen Kauf ausschlaggebend sein wie der Schutz der Mieter/innen, der Erhalt einer günstigen Miete, etc. Daher erachte ich das sogen. wirkungsorientierte Unternehmertum als sehr wesentlich – es könnte den Tatbeweis erbringen, dass wirtschaften auch anders geht.

Für Habitare Schweiz bedeutet es, dass wir rechtzeitig bei Eigentümer/innen von Liegenschaften bekannt werden, so dass es beim Verkauf die Auswahl des Käufers aufgrund inhaltlicher bzw. ethischer Ausrichtung möglich wird.

Nikki Böhler